Den Wirtschaftspreis Landkreis
Miesbach erhielt das
Winklstüberl
im Juni 2009. Die Abendzeitung berichtete:
Von
Rudolf Huber
Heute greift die Chefin höchstpersönlich ins turbulente
Geschehen ein. Einmal
Himbeer, einmal Schwarzwälder, dazu zwei Pfirsichstreusel. Routiniert schneidet Thekla Mairhofer (51) große Stucke
von den Torten, legt sie mit
fließenden, tausende Mal praktizierten Bewegungen auf die bereit gestellten
Teller. Das hat man im Gefühl".
sagt sie lächelnd. Es ist viel los im
Winklstüberl bei Fischbachau im schönen Leitzachtal (Kreis Miesbach). Und das seit 59 Jahren - ohne Ruhetag.
Jetzt bekam das Kuchenparadies
endlich die längst fällige offizielle Würdigung: Den Wirtschaftspreis des
Landkreises in der Kategorie Marke und Image - quasi den Winklstüberl-Oscar.
Rund 40 verschiedene Torten und Kuchen haben Chef-Konditor Klaus Weinmayr und
sein Team im Angebot, jeden Tag unterschiedliche - was der Markt halt so
bietet". Rhabarber, Waldbeeren, Kirschen - immer kommen die süßen
Köstlichkeiten frisch aus der Backstube auf das umwerfende Kuchen-Buffet im
Flur des Cafes: „A la Minute. nach alten Rezepten und ohne Konservierungsstoffe
- das schmeckt man."
Ganz
vorne in der Gunst des Publikums liegt, die Chefin hat's erst am
Pfingstwochenende bei der Abrechnung wieder eindeutig festgestellt. der
Dauerbrenner Schwarzwälder – „ein alter Klassiker". sagt Thekla Mairhofer.
Danach folgen auf Platz zwei und drei die Holländer Kirschtorte und die
Bayerisch Creme. Lauter feine Sachen. die auch in Zeiten von
Kalorien-Verweigerern und Light-Produkten begeisterte Genießer finden. Wobei
die Einkehr im Winklstüberl oder der Kuchen zum Mitnehmen von Anfang an und bis
heute eine Besonderheit aufweist: Die Stücke sind einfach deutlich großer als anderswo.
Das schätzt die Kundschaft. Ganz egal. ob es sich um langjährige Dauergäste oder
um Zufalls-Besucher handelt.
Überhaupt
die Kunden. Jede Bevölkerungsschicht ist im Winklstüberl zu finden: „Leute mit
zwei Euro in der Tasche - und welche, die sich vom Chauffeur vorfahren lassen“,
berichtet die Chefin. Viele kommen schon seit Jahrzehnten ins Tortenparadies,
zum Teil sind inzwischen schon ihre Kinder und Kindeskinder hier zu finden,
immer wieder stoßen Neulinge dazu, die per Mundpropaganda von der nahrhaften
Einkehrmöglichkeit gehört haben. Der Blick auf den großen. in Stoßzeiten aber immer noch viel zu kleinen Parkplatz
zeigt das gewaltige Einzugsgebiet: München, Rosenheim. Ebersberg. Düsseldorf,
Lippisches Land. Saarbrücken oder Leipzig - eigentlich findet ganz Deutschland
hier auf der Suche nach dem ganz besonderen Kuchen-Erlebnis zusammen. Auch nach
Übersee hat die Chefin langjährige Kontakte. Für diese große Treue hat sie eine
einleuchtende Erklärung: „Die Welt entwickelt sich so schnell. Und bei uns ist
es immer gleich - der Kuchen, die Bedienungen...“ Das Winklstüberl als
Ankerpunkt in stürmischen Globalisierungszeiten.
Wobei
dieser Eindruck natürlich ein bisschen täuscht. Nach außen präsentiert sich das
auf mittlerweile rund 500 Plätze gewachsene Ausflugs Cafe zwar weitgehend unverändert.
Aber innendrin ist natürlich alles modernisiert.
Und die
Organisation ihrer 35-Personen-Firma hat die 51-Jährige ebenfalls voll im Griff.
Und zwar so, dass sie trotz der Einhaltung aller Arbeitszeit-Vorschriften keinen
Ruhetag braucht. Schon ihr Vater hielt nichts davon. einen oder zwei Tage pro
Woche dicht zu machen. Thekla Mairhofer sieht das genau so: „Für einen Ruhetag
muss man alles auf Null bringen und dann wieder hochfahren. Ob Torte oder
Schweinsbraten - nichts darf übrig bleiben." Und dann der psychologische
Effekt: Der Gast weiß, dass wir immer geöffnet haben.
er muss nicht überlegen. Das ist doch eine gute
Reklame."
Thekla
Mairhofer wurde die Rolle der Cafe- und Restaurantchefin in die Wiege gelegt:
Ihre Eltern Thekla und Sepp Mairhofer gründeten das Lokal in ihrem Bauernhof im
Jahr 1950. Die Tochter wuchs im und mit dem Winklstüberl auf. Sie wandte sich
aber zunächst einer ganz anderen Berufung zu. Nach der Schule bewarb sie sich
bei einer Schauspielschule - und wurde prompt genommen; So einfach war
das". sagt sie heute zu ihrer Berufswahl. Ihr Vater kommentierte damals
nur ganz trocken. „Mit dem Schmarrn werst bald wieder aufhören.“ Aber mit
dieser Einschätzung lag er ziemlich daneben. Denn die Cafehaus- Tochter spielte
- auf den Rat ihrer Lehrerin bald schon unter dem Namen Thekla Mayhoff - eine
Rolle nach der anderen.
Für „Sachrang“ stand sie vor der Kamera, oder für
„Die Rumplhanni“, „München 7“, „Zur Freiheit“, „Der Millionenbauer“, „Der Bulle von Tölz“, „Monaco Franze“, „Die Rosenheim-Cops“
oder für den „Tatort“. Im Jahr 1986 stieß sie bei „Irgendwie und Sowieso“ zur
großen Film-Familie von Franz X. Bogner, der sie auch beim erfolgreichen „Cafe
Meineid“ angehörte - und derzeit bei der Serie „Kaiser von Schexing“.
Eigentlich
ist das eine Tätigkeit, die einen Menschen komplett ausfüllen kann. Aber bei
Thekla Mairhofer wollte es das Schicksal anders. Kurz nach der Geburt ihrer
Tochter Sophia im Jahr 1995 verunglückte zunächst ihr großer Bruder, dann starb
ihre Mutter. Und zu guter Letzt verließ sie auch noch ihr langjähriger Lebensgefährte.
Die Fschbachauerin
atmete tief durch, analysierte ihre Lage – und zog dann ihr Programm durch. „Es
war eine harte Zeit“ sagt sie heute. „Das hat schon sehr viel Kraft gekostet.“ Und
nach einem kurzen Nachdenken lächelt die 51-jährige im Nachhinein. „Aber es hat
auch Spaß gemacht, dass ich allen zeigen konnte, dass ich's kann - oder klingt
das jetzt eingebildet?“
Im Lauf
der Jahre hat sich Thekla Mairhofers Einstellung zu der Dreifach-Belastung
Cafe, Schauspielerei und allein erziehende Mutter geändert. „Früher habe ich
über Jahre geplant. Heute lebe ich von Tag zu Tag und lass es auf mich zukommen“.